Der Irritator

irritator

In unserem Projekt mit dem Titel Irritator wollen wir die Passanten in den Passagen über akustische Geräusche und Komplimente aus ihrem Alltag reißen und ihre Reaktionen beobachten

 

Für den Bau eines Irritators wird benötigt:

 

Der Irritator sollte auf einem Tisch platziert werden. Bei dem Tisch sollte ein Stuhl/Sessel stehen, auf dem der Benutzer des Irritators Platz nehmen kann.

Die Dekoration für eine bessere Gesamtdarstellung und Schaffung einer räumlichen Atmosphäre, kann aus Bildern, Tischdecken und ähnlichem im Stil eines Wohnzimmers wie bei den Großeltern zusammengestellt werden.

Bau:hammer-clipart-pc5y7zMcB

Für den Kasten werden vier Holzplatten benötigt. Da der Kasten angewinkelt ist, um eine direkte Sicht auf die Wählscheibe zu bekommen, wurden 2 Platten so gesägt, dass sie Winkel ergeben. Die anderen zwei Platten wurden der Breite und Höhe der Winkelplatten angepasst und zurechtgesägt. In die Platte, auf der später die Wählscheibe platziert werden soll, bohrt man ein Loch in der Größe der Telefonscheibe. Die Platten werden alle zusammengeschraubt. Der untere Teil des Kastens bleibt frei, sodass die ganze Technik und die Kabel Platz haben. Um den Telefonkasten optisch aufzuwerten, kann dieser auch mit einer Gravur versehen werden. Hier ist ein Lasercutter sehr hilfreich und vereinfacht das Vorhaben.

Gravur und Farbe:vector-spray-can_83534473

Für die Gravur wird die entsprechende Grafik oder Schrift in Adobe Illustrator angefertigt und gespeichert. Der Lasercutter interpretiert diese und lasert die entsprechenden Formen aus dem Holz. Optional, aber optisch schöner, kann der Kasten auch angesprüht werden. Eine Farbe wie rot, zieht den Blick direkt auf den Irritator. Die Farbe trocknen lassen und dann die Wählscheibe in die ausgesägte Aussparung legen. Diese kann mit einer Heißklebepistole, oder, falls sie später wieder in das alte Telefon eingebaut werden soll, mit doppelseitigen Klebeband am Holz befestigt werden.

Sounds:BigAEKri8

Die Sounds sollten Geräusche oder Laute widergeben, die man normalerweise in diesem urbanen Raum nicht zu hören bekommt. Wir suchten im Internet nach Tiergeräuschen und Sprüchen, auf die Passanten in irgendeiner Form reagieren sollten. Nach gewisser Zeit wurde aber deutlich, dass es die einfachste und Qualität hochwertigste Lösung sei, die Sounds selbst aufzunehmen. Im Soundstudio der KISD haben wir also als Gruppe verschiedenste Sounds aufgenommen, die später den Zahlen der Wählscheibe zugewiesen wurden.

Technik und Programmierung: 76crBXzTK

Unsere Absicht war es, die Wählscheibe eines alten Telefons zu nutzen, um Sounds abzuspielen. Jeder Zahl von 0-9 wurde dabei ein bestimmter Sound zugewiesen, der nachher durch das Wählen mit dem Zeigefinger abgespielt wird. Dazu mussten wir uns als erstes genauestens mit der Technik einer solchen Wählscheibe auseinander setzen. Es war sehr erstaunlich zu sehen, wie durchdacht die Technik schon damals war und wie gut sie heute und auch sicherlich in vielen Jahren noch funktionieren wird. Durch Rechtsdrehung bis zum Anschlag wird im Innern eine Rückdrehfeder gespannt, beziehungsweise aufgezogen. Zieht man anschließend den Finger wieder raus, dreht die Scheibe, abgebremst durch den Fliehkraftregler, in ihre Ausgangsposition zurück. Dabei wird über den Nummernschalter eine der gewählten Ziffer entsprechende Anzahl von Unterbrechungen (Impulse) mit einer durch den Fliehkraftregler definierten Geschwindigkeit erzeugt und so die Ziffer der Vermittlungsstelle signalisiert. Bei deutschen Geräten bemessen diese Impulse in etwa eine Zeit von 100ms Abständen. Jeder Impuls beschreibt dabei den Wert = 1. Im Code werden diese Impulse dann mathematisch aufgerechnet, sodass je nach gewählter Nummer der passende Sound abgespielt wird.

Die Vermittlungsstelle:

Als Vermittlungsstelle, also zur Auslesung der übertragenen Impulse, wurde eine Arduino Board verwendet. Der Code ließt dabei die übertragenen Impulse der Wählscheibe aus, und spielt den Sound ab, der mit dem Wert der Auslesung belegt wurde. Um die Sounds zu speichern und das Dateiformat abspielen zu können, wurde ans Arduino der Audiochip Adafruit angeschlossen. Damit wird lediglich das Arduino mit dem angesteckten Audiochip benötigt um den Irritation zu nutzen. Ein zusätzlicher Laptop oder ähnliche Interpretationsschnittstelle wird somit überflüssig.

 

Dekoration vorort:696688_IMAG6635

Der Telefonkasten wird auf einem Tisch platziert. Dieser sollte am besten etwas höher sein, damit der Sessel/Stuhl daran stehen kann und der Nutzer die Wählscheibe im sitzen benutzen kann.

Bei diesem Projekt wurde der Irritator in einer Galerie aufgebaut und präsentiert. Durch das große Schaufenster war das Projekt gut sichtbar. Damit es im Ganzen noch mehr Aufmerksamkeit erzeugt, sollte man den Bereich um den Irritator dekorieren. Hierfür kann man sich ein Zimmer ganz nach der Zeit von Opa und Oma als Inspiration nehmen. An den Wänden der Galerie wurden kleine Bilder befestigt und eine alte Gardine. Der Tisch fand auf einem Teppich seinen Platz und on the top verzierte eine Spitzentischdecke die Tischplatte. Letztlich muss der Irritatator sowie die Boxen dann noch am Strom angeschlossen werden.

Ziele:

Das Hauptziel des Irritators war es, die indirekte Kommunikation zwischen Fremden zu erzeugen. Er sollte durch unerwartete Geräusche verwirren und irritieren und den außenstehenden Passanten zur Interaktion mit dem Sound zwingen. Im Zeitalter des Digitalen sollte die Wählscheibe an die Zeiten des Analogtelefons erinnern. Durch Vorwissen oder Allgemeinwissen ist die Benutzung der Wählscheibe selbsterklärend. Kindern der jüngsten Generation bietet es die Möglichkeit, diese Art der Telefone spielend kennenzulernen. Die älteren Generationen entdecken die Funktion des Wählens durch die abgespielten Sounds neu. Der gravierte Schriftzug „Trau dich“ soll Neugierde wecken und zur Nutzung des Irritators motivieren. Neben diesen persönlichen Zielen für unser Projekt war das Ziel des kompletten PlatzandPlay Projekts den Ebertplatz zu verschönern und Interaktionen anzubieten.

Ablauf:

696688_IMAG6640

Die Funktionsweise des Irritators wurde den Benutzern sofort klar. Viele Passanten hatten bereits das nötige Vorwissen und wussten wie man an der Wählscheibe zu drehen hat. Der Sound brachte ihnen eine unerwartete und neue Erfahrung. Außenstehende Passanten wurden irritiert und wussten zu Beginn nicht woher die Sounds kamen. Durch Neugierde und Augenkontakt kam die irritierte Person oft zum Benutzer der Wählscheibe und beide kamen in ein richtiges Gespräch. Manchmal entstanden Gespräche über die Zeiten, in denen das Analogtelefon zum Telefonieren verwendet wurde. Die Interaktion von Benutzer und Passant hat meistens sehr gut funktioniert.

 

 

 

Verbesserungsvorschläge:150px-Exclamation_mark

Die Galerie am Ebertplatz bot zwar eine gute Präsentationsfläche und ist durch den geschlossenen Raum wetterbeständig, wurde aber gerade durch den geschlossenen Raum nicht sehr häufig betreten. Unser Projekt war das einzige, bei dem zur Benutzung das Labor betreten werden musste. Viele Passanten wurden dadurch abgeschreckt und dachten der Raum wäre nur von befugten Personen betretbar. Die Zugriffsrate auf den Irritator war dadurch zeitweise nicht so hoch frequentiert wie erhofft. Bei dieser Art von Projekt bietet es sich an, sich als Gruppe als eine Art großer Baukasten auf einen öffentlichen und gut besuchten Platz zu stellen. Zuerst hatten wir geplant, durch Spiegelfolie die Sicht äußerer Passanten auf den Irritator zu verstecken. Nutzer hätten jedoch von Innen hinausschauen und die Reaktionen nach der Nutzung beobachten können. Dies würde die Neugierde der Passanten weiter verstärken, da diese genauer nachsehen müssten. Allerdings wäre unser Projekt dadurch noch versteckter gewesen und die Zugriffsrate wäre wohl noch weiter gesunken.

Auffällig war außerdem, dass die Lautsprecher an einem belebten Ort besonders laut sein sollten, um genügend Aufmerksamkeit zu erzeugen. Da viele Projekte im Bereich des Labors aufgebaut wurden die Sound erzeugen, wurden die Geräusche oft durcheinander gebracht. Im Nachhinein wäre eine mögliche Verbesserung die Interaktionselemente mehr auf dem Platz zu verteilen, damit sich die Geräusche nicht zu sehr vermischen. Besonders der offene Platz oben auf dem Ebertplatz ist sehr belaufen und hat sich über Interaktionselemente wie die Minigolfbahn gefreut. Die Zahl von interagierenden Passanten war dort deutlich höher.

Ziele für Soziale Arbeit/ Medienpädagogik:6BTa4K9i8

Das Digitale Zeitalter entwickelt sich immer weiter und selten werden analoge Dinge neu entwickelt. Aber gerade analoges Spielen ist für Kinder am einfachsten zu verstehen und es können durch reines Ausprobieren Lernerfolge erzielt werden. Durch die Wählscheibe eines Analogtelefons können neue Kompetenzen und neues Wissen geschaffen werden. Passanten die sonst nie in ein Gespräch kommen würden, haben zudem durch den Irritator die Möglichkeit, eine ungezwungene Kommunikation aufzubauen.